Tradition gegen Innovation

 

Sechs, setzen     Freie Presse Dienstag, 11.August 2009

 

Kein Förderverein für die alte- neue Pestalozzi-Schule

 

2274 Zwickauer haben im vergangenen Jahr dafür unterschrieben, dass aus der umgezogenen Puschkinschule wieder die Pestalozzischule wird. 2274 Menschen waren dafür eingetreten, dass die Hülle ihren Namen behält und der Inhalt seinen Namen hergeben muss. Soweit zu den Tatsachen, an denen nicht mehr zu rütteln ist. Nun sind keine Unterschriften mehr gefragt, sondern Taten. Der Förderverein der Puschkin-Schule hat sich mangels Puschkin-Schule aufgelöst. Förderer für die Pestalozzi- Schule sind nicht in Sicht. Zumindest hat sich gestern keiner gezeigt. Heißt für den Moment: Von 2274 Puschkin-Gegnern ist offenbar keiner bereit, Verantwortung für die Schule zu übernehmen. Eine völlig ungenügende Leistung

 
 

 

         
     
      http://www.pestalozzischule-zwickau.de
  von1949- 31.07.2009   ab 01.08.2009  

 

Von Sara Thiel

Förderer ziehen sich frustriert zurück

     
Verein zur Unterstützung der Puschkinschule löst sich am Montag auf
     
Zwickau. Sie wollten den Namen – sie haben ihn. Jetzt sollen sie sich auch um die Schule kümmern. So in etwa lässt sich der Groll zusammenfassen, den die Mitglieder des Fördervereins der Puschkinschule vor sich hertragen. Nicht mehr lange allerdings: Am Montag treffen sie sich das letzte Mal – um den Verein aufzulösen. „Wir waren eine eingeschworene Truppe“, sagt Vorsitzender Ralf Gräser und nennt die Umbenennung einen Schuss vor den Bug. Die Verfechter des Namens Pestalozzi hätten doch gar keine Ahnung von der Schule. „Denen ging es doch gar nicht um unsere Arbeit“, wettert Gräser. Deswegen will er sie auch nicht mehr machen. „Jetzt sollen mal welche von den 2000, die gegen den Namen Puschkin unterschrieben haben, beweisen, dass sie genug Hintern in der Hose haben, um die Arbeit weiterzuführen.“ Das sei im übrigen keine Bitte, sondern eine Forderung, sagt Gräser mit unüberhörbarem Ärger in der Stimme. Der gilt nicht nur denen, die nach jahrelangem Leerstand der Pestalozzischule nun wieder zu ihrem alten Namen verholfen hatten. Der Vorsitzende ist auch noch immer wütend über die Art, wie die Umbenennung vonstattengegangen war. „Die Stadträte haben die Hände gehoben, um das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen – und schon war alles beschlossene Sache.“ Denn die Petition war spitzfindig genug formuliert gewesen, um die Stadträte schlichtweg zu überrumpeln. Schon damals mit im Stadtrat saß Jens Heinzig. Als Schulleiter und damit als Befangener musste er seinen Stuhl während der Abstimmung vom Tisch rücken. Inzwischen sitzt er zwischen allen Stühlen. Denn er ist Mitglied im Puschkin- Förderverein und wäre das auch gern geblieben. Er hat aber Verständnis für den Frust seiner Mitstreiter – so wie die es verstehen werden müssen, wenn sich der Schulleiter auch im Pestalozzi-Förderverein engagieren sollte. Wenn es denn einen gibt. „Ich glaube nicht, dass sich jemand findet“, sagt er. Ralf Gläser glaubt das auch nicht. Dennoch steht sein Entschluss fest, für die Schule keinen Finger mehr zu rühren. „Das geht ganz einfach. Ich bin ein Puschkin-, kein Pestalozzischüler gewesen“, begründet er seinen kompletten Rückzug. Die Enttäuschung sitzt tief. Nach Puschkin, so argumentiert er, sei jetzt nur noch eine Schule bundesweit benannt. Der Name des schweizer Pädagogen stehe schon an mehreren Schulen im Landkreis. Letzteres stimmt. Puschkinschulen gibt es aber zumindest noch in Erfurt, Berlin, Neuruppin und Oschersleben.

Termin

Die Sitzung des Fördervereins ist öffentlich. Sie beginnt am Montag, 14.30 Uhr in der Einrichtung an der Seminarstraße. Es ist möglich, dort gleich Pläne für einen Pestalozzi-Schulförderverein zu schmieden.

 

   Von Sara Thiel

Keiner unterstützt die Pestalozzi-Schule

Puschkin-Förderverein beschließt seine Auflösung

 

Zwickau. Den Förderverein der Alexander-Puschkin-Schule in Zwickau gibt es noch. Doch 19 Mitglieder haben gestern das Ende ihrer Organisation beschlossen. Am 31. Dezember ist endgültig Schluss. Das war die Reaktion auf die Namensänderung der Lehranstalt, mit der sich die Förderer nicht identifizieren möchten. Zwar hatten sie ausdrücklich auch die Pestalozzi-Befürworter eingeladen, der Sitzung zu folgen und bei der Gelegenheit den Förderverein mit neuem Namen und neuer Mannschaft weiterzuführen. Doch diesem Ruf war nur eine Interessentin gefolgt. Zu wenig für einen neuen Verein. Also blieb nur noch der Schlussstrich. Fördervereinschef Ralf Gräser erinnerte noch einmal an die 15 Jahre, in denen sich die Unterstützer unentbehrlich machten. Zählte auf, wie mit ihrer Hilfe in der alten Puschkinschule eine Grillecke und ein Computerraum entstanden waren, wie das Gebäude neue Fenster und Jalousien bekam, wie Vernissagen und andere Veranstaltungen organisiert wurden. Solche Anstrengungen stellt er nun ein, auch wenn er Verein aus rechtlichen Gründen noch bis Ende des Jahres existiert. Das übriggebliebene Geld – rund 2000 Euro – soll der Einrichtung aber zugutekommen. Eine Schule ohne Förderverein, sagte Gräser noch, lässt sich viel Geld entgehen. So habe der Verein regelmäßig Zahlungen von der Stadt bekommen, aus Mitteln, die sie über Bußgeldbescheide eingenommen hat. Gisela Tauscher hörte all dies mit Erstaunen. Die Pölbitzerin gehörte zu den 2274 Zwickauern, die ihre Unterschrift zugunsten Johann Heinrich Pestalozzis gegeben hatten. Aus gutem Grund. „Ich bin auf die Schule gegangen, meine Kinder auch und auch meine Verwandten“, zählte sie auf. Für sie gehört die Pesta einfach in das Viertel. „Ich wusste doch nicht, was da alles noch dranhängt“, sagte sie gestern. Daran hängt zum Beispiel die Umstellung von Briefen und Stempeln und nicht zuletzt des Rechnersystems. Das kostet laut Informatiklehrer Dietmar Haas allein 15.000 Euro, die nun die Schule bezahlen muss. Eine Umbenennung des Fördervereins hätte die Stadt bezahlt. Allerdings fand sich keiner, der die  Arbeit nun macht. Auch Gisela Tauscher nicht. „Was will ich denn alleintun?“